Beltane @Burg11 - Trommlermileu
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- Geschrieben von JamesVermont
Was ich heuer am Beltane auf der Burg besonders geschätzt habe, war die Musik. Endlich gab es nach langem wieder eine ordentliche Trommelsession. Aber nicht nur das: Wir haben auch ordentlich gegroovt. Auf Gitarre, auf Didgeridoo, auf Cajon. Was dabei rausgekommen ist, hört man hier
Das Wetter hätte Freitag und Samstag "bluesiger" gar nicht sein können. In der Burgküche nahm es seinen Beginn. Da dürfte wohl jemand über eine Djembe gestolpert sein, die da fast verzweifelt vor Langeweile rumgestanden ist. Chris - ebenfalls Diener der Ekstase - hat in dem Scheppern und Rumpeln der umstürzenden Djembe wohl den ersten Rhythmus des Festes entdeckt. Reflexartig hatte er sein Didgeridoo zur Hand und versuchte das holzige Rollgeräusch der Trommel zu begleiten. Und mit Holz kennt sich auch Gjorg aus. Einen Energydrink ausfassend, fanden die Vibrationen von rollender Trommel und röhrenden Didg in den Korpus seiner Gitarre - die er ganz zufällig in seiner Hand hielt. Hm... Die dabei entstandene Vibration muss ihn wohl in der Hand gekitzelt haben. Wie von der Tarantel gestochen warf er den Euro für seinen Drink in die Spendenbox, öffnete zischend die Dose, trank einen tiefen Schluck und beinahe wie Hammi das Eichhörnchen pflanzte er sich in atemberaubenden Tempo neben Chris auf die Bank.
Neugierig schlurften andere Festbesucher daher. Solch Unruhe ist man ja auf Festen nicht gewohnt. Erst verhalten glotzend, dann romantisch verzückt, ließen sich die Besucher neben dem Duo nieder und nickten schüchtern im Beat. Es muss wohl die Göttin Nakate gewesen sein, oder der Geist von Beethoven, die Ascendo und Kia erleuchtet haben, sich der armen umgestürzten Djembe anzunehmen. Einfühlsam strichen sie über das frische, weiße, noch unbenutzte Fell. Ein Nicken von Gjorg an Kia oder ein Zwinkern (oder war es ein Regentropfen, der ihn kitzelte?) von Chris an Ascendo ließ die Beiden ihre Scheu vor gemeinsamen Musizieren verlieren: "Hey, ist doch Beltane! Da könnt ihr auch mit uns - ihr wisst schon... Musikmachen und so"
Ich hatte mir das ganze aus der Ferne angesehen. Was sollte ich da groß mit trommeln? Ich, der mit seinem Lärm ahnungslose Radfahrer in der Gurker Au in die Flucht schlägt. Ich, der ja schon so oft versucht hat, eine Trommelsession zu initiieren und stets gescheitert war - ich werde da ja jetzt nicht einfach hingehen und mitmachen. Da müssen sie mich schon lieb drum bitten, jawohl!
Die Nina aus Graz hat meinen verunsicherten Blick erkannt. Interessiert beäugte sie mein Cajon und fragt ganz unvermittelt: "Was ist denn das da?". Beinahe berauscht von ihrem Interesse an mir - okay: Meiner Habe, beantworte ich ihr peinlich genau jede Frage. Und wie konnte es anders sein: Sie wollte es ausprobieren! Einfach so. Bei einer Session mit fremden Leuten. Ist ja Beltane!
Nun stand ich da. Die hübsche Nina auf meinem Cajon beobachtend - fürwahr, sie ist ein Naturtalent! Wie gut sie den Bass trifft und die Snare anschlägt. Die Erinnerung an mein erstes Mal auf der Cajon verdränge ich lieber. Bei Bacchus, war ich damals betrunken! Aber zurück zur Session. Eisensmachers Freundin kommt daher. Sie waren gerade erst angekommen und noch nicht einmal ihr Zelt aufgebaut, will sie schon bei der Runde mitmachen! Auch sie hat eine Djembe und weiß damit umzugehen! Meine rechte Hand zuckt. Und gerade hat auch mein linker Fuß den Takt gespürt. Uhhh, ja - der Beat hat was. Und, ah ha, die anderen Festbesucher haben sich Rasseln geschnappt! Und schau, Ascendo hat seine Djembe an Magicfirewitch verborgt und spielt auf einem Kochtopf von Giyan weiter!
Mein Herz beginnt wilder zu schlagen. Erinnert sich an das Sommerfest damals. Und an die Trollhöhle... man, war ich damals betrunken. Und neulich, beim Steinkreis im Europapark mit den fremden Slacklinegängern! Das waren Sessions, oh ist es mit damals gut gegangen. Ich war in meinem Element, ich habe getrommelt. Und nun stehe ich da. Oder besser gesagt, sitze. Auf meinem hohen Ross. Einsam und verlassen, schaue den anderen beim glücklich Musikmachen zu.
Da dringt ein Wispern an mein Ohr. Ganz leise, ich höre es fast gar nicht. Staunend entdecke ich, dass meine Trommeltaschen einen Spalt breit geöffnet ist. Die klirrenden Obertöne der Djemben bringen das dünne Fell meiner Rahmentrommel zum wispern. „Oh komm doch, ich will mit dir tanzen", sagt sie. „Nein ich kann nicht". „Oh mein Meister, mein Liebhaber", beinahe fleht sie. Unangenehm berührt schiebe ich die Tasche mit dem Knie beiseite. „Komm schon, schlag mich, ich weiß dass du es willst". Vorsichtig sehe ich mich um – dass das bloß niemand anders gehört hat! Was würden sie von mir denken?
Die Nina aus Graz hat mittlerweile angefangen zu tanzen und die eine Oberösterreicherin mit den dunklen Haaren ebenfalls. Wild wippen sie im Beat! Kia hat ihre Zigarette weggeworfen um eine Hand mehr zum trommeln zu haben. Die Magicfirewitch ist schon vollkommen in Trance und Chris rasselt nur noch besessen! Gjorg's Finger tanzen ebenfalls von Steg zu Steg, als wäre jeder von ihnen Michael Jackson, während Sabine gekonnt zu einem Solo ansetzt.
Da gebe ich mir einen Ruck. Ohne zu trommeln kann ich auf keinem Fest sein! Und schließlich schmiegen sich fünfzig Zentimeter gespannte Ziegenhaut an meine Fingerkuppen. Der Nussholzrahmen bebt und die Vibrationen gehen durch meinen Körper. Oh ja, mit diesem Gefühl im Blut kann der Tag ruhig bis zum nächsten Sonnenaufgang reichen. Ist ja Walpurgis und das Feuer brennt schon.
Der Bass treibt die Regenwürmer aus ihren Löchern, nasse Haare segeln durch die Luft, Schreie Hallen von den alten Steinen wieder, schneller und schneller wird das Tempo. Irgendwann zuckt die Luft und der Moment ist da. Befriedigt stöhnen Trommler und Trommeln, erschlafft hängen die Rasseln an den Händen. Glücklich ist jeder, dessen Muskelschmerzen nun nachlassen. Fragend werden Finger beäugt, atemlos werden Stunden rekapituliert. Manch Einer fragt sich nun, wo er nun ist. Den Rhythmus zu reiten ist wie mit verbundenen Augen in den Bus zu steigen. Irgendwann kommt man an. Irgendwas ist während der Fahrt passiert. Doch wenn man ausgestiegen ist, muss man sich erst orientieren. Wir sind auf der Burg. 2011. Und das erste Loch in den Wolken wäre geschafft. Bis zum Abend ist es nicht mehr lang und wir wollen heute Nacht noch die Sterne sehen...
- Fotos von dem Fest gibt es hier
- Hier das versprochene Bluesvideo


